Carla : Hallo Peter, alle Hobby-Poeten haben meine uneingeschränkte Hochachtung! Was es heißt, ein Gedicht schreiben zu können, weiß man erst, wenn man sich mal hinsetzt und es versucht!
Ich hab noch nicht herausgefunden, ob das eine Begabung ist oder ob man das lernen kann?
Hallo Carla, ist die Frage ernst gemeint ? Gedichte schreiben ist vielleicht 20% eine gute Idee, zum größten Teil aber ein sehr guter Wortschatz, der einem erlaubt, mit der Wörtern zu spielen. Dazu gehört dann noch ein Gefühl für Rhythmus, aber Musikalität reicht normalerweise.
Hallo Peter, diese Frage war schon ernst, aber eigentlich doch eher nur rhetorisch!
Weil ich das nicht ganz glaub mit Deiner Erklärung....
Ich hab (bitte ohne jetzt prahlen zu wollen!) eigentlich schon einen großen Wortschatz, bin (angeblich) sehr musikalisch und an Rhythmusgefühl mangelt es auch nicht - und bin trotzdem weit entfernt davon, Gedichte verfassen zu können, die auch andere gerne lesen würden... also irgendwo muß da ein gewisses Talent eine Rolle spielen - sonst könnte es doch fast jeder!
Aber mal im Ernst, ich bin ein ganz, ganz großer Lyrik-Fan. Und auch die Bewunderung für die großen Dichter (Rilke, Hesse, W. Busch, Ringelnatz natürlich, Morgenstern) hält mich davon ab, sowas zu versuchen. Ist natürlich irgendwie Blödsinn, weil dann dürfte ich auch nicht Flöte spielen, weil es tausende bessere gibt.... Aber ich denke, wenn man dieses Talent hat, sprudelt es irgendwann ganz von selber - oder niemals.
Hallo Carla,
...das schönste an ein' Liebeslied
ist, wenn auch was im Text geschieht ! (Torfrock)
Und das ist der Haken an der Sache. Es wäre mir wohl unmöglich, ein lyrisches Gedicht über den Frühling zu schreiben, oder die Schönheit einer Rose zu besingen. Eher schon so etwas wie Schillers Glocke, wenn ich ein entsprechendes aufregendes Erlebnis gehabt hätte.
Aber ich bin ein Schlitzohr und Witzbold und genauso fallen meine Gedichte aus. Ich kann Zusammenhänge finden, Situationen beschreiben oder träumerisch sein. Daraus entstehen Texte. Ringelnatz hat ja auch nur seine Gefühle beschrieben oder seine Beobachtungen widergegeben. Auch Eugen Roth. Auch Heinz Erhardt.
Je nachdem, welche Charaktereigenschaft überwiegt, so würden auch deine Gedichte ausfallen. Man sucht sich schon automatisch kein Thema aus, zu dem man nichts auszusagen hätte.
Ein spontaner Entwurf :
a) Wenn ich etwas sagen will
halten meine Finger (nicht) still *geht nicht*
b) Wenn ich etwas sagen möcht,
ist mir jede Uhrzeit recht *Aussage verändert, aber Reim gefunden*
a) ...und die Finger huschen nur
blitzschnell über die Tastatur. *Reim gut, aber Rhythmus falsch*
b) ...und die Finger huschen nur
über meine Tastatur. *auf Blitz verzichtet, Rhythmus stimmt*
a) Will die Carla beeindrucken,
sie soll mit der Wimper zucken ! *Aussage stimmt, aber Rhythmus völlig falsch*
b) Carla soll beeindruckt sein
von diesem blöden Schüttelreim! *-ein und -eim ist nicht ideal, kann aber so bleiben*
Wenn ich etwas sagen möcht,
ist mir jede Uhrzeit recht
und die Finger huschen nur
über meine Tastatur.
Carla soll beeindruckt sein
von diesem blöden Schüttelreim!
Carla, das war mal ganz spontan und in 5 Minuten eingetippt. Es ist zwar kein Schüttelreim, sondern das Wort reimte sich gerade. Ich wollte, daß du meine spontanen Ideen mitverfolgen kannst.
Wie du siehst, kein weltbewegendes Thema, sondern ein "Nur-so". Wenn der Reim nicht will oder der Rhythmus nicht stimmt, fängt man an, die Reihenfolge der Worte auszutauschen, statt dreisilbige zweisilbige zu verwenden, auf ein Wort (z.B. blitzschnell) zu verzichten oder ein Füllwort hinzuzufügen.
Nun werden wir mal ein wenig "technisch" :
Verse, bei denen sich die benachbarten Zeilen reimen, also Reimfolge AA, BB, CC, DD haben,
sind natürlich viel leichter zu machen, als wenn sich erst die übernächste Zeile reimt : AB AB CD CD
Es ist auch viel leichter, laaaaange Textzeilen zu schreiben, als kurze Zeilen.
War einmal ein Bumerang;Wenn du aus diesen Satzbrocken vollständige Sätze machst, wird der Text erheblich länger. Die Kunst ist also, entbehrliche Worte zu finden und zu löschen. Andererseits wäre "noch" entbehrlich, aber dann fehlt etwas im Rhythmus.
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum - noch stundenlang -
Wartete auf Bumerang.
(Ringelnatz)
Achte mal darauf, die meisten Zeilen haben 7 Silben. Gleiche Silbenzahl, das ist die herkömmliche Art, zu dichten.
Dichter mit viel Anspruch ändern den Rhythmus mittendrin und machen z.B.
7
7
11
11
7
7
oder auch :
11
11
11
11
7
7
Übrigens hat in meinem Spontangedicht jede Zeile 7 Silben, nur die letzte hat 8 Silben. Nicht schön, aber auch nicht schlimm.
Du verstehst ?
Fortsetzung auf Seite 2